Männer: Kogge mit Minimalbesatzung

SG Westhavelland II – Hansa Wittstock 21:32

Hansa Kogge mit Minimalbesatzung

Nachdem sich die Paraskavedekatriaphobie (Angst vor dem Freitag dem 13.) in den Reihen der Wittstocker in Grenzen hielt, war am Samstag im Angesicht der Übersichtlichkeit der Akteure, Panik angesagt. Ganze fünf Spieler nutzten die ihnen zugeteilte Hälfte zum Warmmachen. Platz für extrovertiertes Armkreisen war also durchaus vorhanden.

Spielertrainer Boris Löhlein wurde kurzerhand das Amt des ersten Torhüters übergeholfen. (der Losentscheid entfiel somit).

Aus Berlin hatten sich währenddessen zwei schläfrige Wiesel auf den Weg in die Stadt der Optik gemacht. Der unermüdliche Bleifuß sollte das Navigationssystem eines Besseren belehren und so unterbot man die errechnete Fahrzeit um 10 Minuten – absolut kostbar in Hinblick auf den Beginn des Spiels.

Die Milower Schiedsrichter, welche sich mit 20jähriger Erfahrung an der Pfeife rühmten, durften somit zwei vollständige Mannschaften zur Mitte führen. Bleibt anzumerken, dass die deutsche Bahn und der Handballsport nicht viel gemein haben.

Von den Spielanteilen her sollte diesmal jeder Hanseat die gleiche Einsatzzeit bekommen. Munteres Durchwechseln oder gar ein sogenannter Russenwechsel (Angriff/Abwehr) standen nicht zur Debatte.

Nach einer 1:0 Führung für die Gastgeber machte die Kogge die Leinen los und fuhr in ruhigem Fahrwasser einen Fünf-Tore-Vorsprung heraus. Die Angriffe wurden durchdacht ausgespielt, das Leder zappelte ein ums andere Mal im gegnerischen Netz, nur hinten im Tor wollte es nicht so recht mit dem Fang glücken. Gegen Ende der ersten Halbzeit versuchte das Trainergespann Awe/Krücken noch durch einen ausgeklügelten Winkelzug Hansas Fahrt zu stoppen. Eine angeordnete Manndeckung gegen den wurfgewaltigen Martin Willführ brachte aber nicht den erhofften Erfolg. So ging es mit 9:14 zum Durchschnaufen in die Kabinen.

Wenn jetzt aber jemand denkt, dass aufgrund der geringen Spielerdecke die taktischen Anweisungen eher übersichtlich ausfallen würden, der kennt einen Boris Löhlein – die handballerische Institution in Reinkultur – nicht im Geringsten.

In einer unnachahmlichen Art und Weise prasselten Wörter, die locker für sechs ausgewachsene Frauen nach langjähriger Abstinenz voneinander genügt hätten, auf seine Spielkameraden ein.

Danach brannten alle Spieler, um aufs Feld zu dürfen.

Hansas Torhüter arbeitete auch anfänglich der zweiten Halbzeit kräftig an seinem Schlafdefizit. Die jungen Spieler Kipcke und Köhring machten es im Angriff aber wieder wett. Sie verschafften durch Konterläufe oder einfache Tore die nötigen Atempausen für ihre Nebenleute.

Der Neid, die aufrichtigste Form der Anerkennung, trieb Ronny Stachowski dazu, dem Spiel nun endgültig seinen Stempel aufzudrücken. Denn auch er wollte nun, wie Willführ zuvor, unbedingt zu seinem persönlichen Bewacher kommen. Dies wurde auf der gegnerischen Bank registriert und mittels einer Manndeckung sofort umgesetzt. Fortan fungierte er als Libero und erholte sich zusehends. Peu a` peu wurde nun die Siegerstraße mit ansehnlichen Aktionen gepflastert. Ein richtiges Aufbäumen der Westhavelländer war nicht recht zu erkennen. Viele Spieler blieben farblos, andere bestachen auch nur durch ihr coloriertes Haupthaar.

Bleibt nur noch, ein rüdes und völlig unnötiges Foul in den Schusssekunden an dem sich im Konter befindenden Danilo Köhring zu erwähnen. Den fälligen Strafwurf setzte der Wittstocker Keeper leistungsgerecht zwei Meter neben das Lattenkreuz, beim Versuch seinen Gegenüber zu tunneln.

Am Ende stand auf der Anzeigentafel ein 21:32. So richtig glauben konnten die tapferen Sieben es nicht. Beckerfäuste, Usain-Bolt-Gedächtnisposen und Jubeldiver fielen dem Stehend-k.o.-Sein zum Opfer.

Hansa Wittstock: Brigzinsky; Löhlein (4), Willführ (9), Kipcke (5), Hennigs (3), Köhring (4), Stachowski (7)

SG Westhavelland II: Raku, Korn; Schöndube (3), Woite, Eckert (9), Witt (2), Peters, Krücken, Pusch (3), Mieth (4)

Bericht von St. Brigzinsky, Bilder von Sportfotography Frandy

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