Männer: Streiflicht zum Spitzenspiel in Kyritz (18:22 gewonnen)

Nick Knatterton

von Steffen Brigzinsky
Für das Gros der Kyritzer Handballer und dem Trainer-Duo Brigzinsky/Brigzinsky aus Wittstock sollte der Meisterdetektiv Nick Knatterton noch ein Begriff sein. In 14 Episoden versuchte das Kyritzer Original seinen Widersachern durch List und Geschick auf die Schliche zu kommen. In der ARD wurden die Abenteuer in Häppchen zu zwei bis vier Minuten in der Lücke zwischen zwei anderen Sendungen im regionalen Vorabendprogramm gezeigt, was eine Einzelepisode schon mal in bis zu neun Fetzen zerlegte.
Das Derby zwischen Kyritz und Wittstock versprach von der Tabellenkonstellation her auch ein Krimi zu werden und wenn man dann noch das Kyritzer Klostergebräu „Mord und Totschlag“ mit einbezieht, hätten auch leicht die Fetzen hätten fliegen können. Aber lassen wir die Elektrolytversorgung erstmal außen vor.
Nick Knatterton- mit richtigem Namen Nikolaus Kuno Freiherr von Knatter- löst Kriminalfälle am laufenden Band. Er trägt immer Knickerbocker, einen grünen karierten Tweedanzug inklusive passender Schiebermütze und raucht Pfeife.
Der Gegner an diesem frühlingshaften Sonnabend war alles andere als gewillt, sich in der Pfeife rauchen zu lassen. Schnell enteilte der Gastgeber in der Anfangsphase den jungen Wilden aus Wittstock, die mittels erprobten Korsettstangen ihren Spielwitz in die richtigen Bahnen kanalisiert bekommen sollten. Stabilität und Sicherheit erfuhr das Spiel der Dossestädter allerdings erst durch einige Glanztaten von Hamann im Kasten. Vorne legte sich die anfängliche Nervosität und Struktur hielt Einzug. Wenn der Abwehrverband der großgewachsenen Hausherren nicht spielerisch geknackt werden konnte, nutzte Willführ seine Physis und steuerte den einen oder anderen Treffer bei.
Ein 3:1 Rückstand wurde dadurch in ein 4:7 umgemünzt. Den Kyritzer stand der Sinn nach Veränderung und so beantragten sie die erste Auszeit.

Neben seiner modernen Technik helfen Nick Knatterton seine besonderen körperlichen Fähigkeiten und seine schnelle Auffassungsgabe, die Lage einzuschätzen, um dann die richtigen Entscheidungen zu treffen.

So oder so ähnlich wurde der Redebedarf bei Knattertons Erben während der Team-Time-Out gestillt. Doch es sollte sich als Fehleinschätzung herausstellen, denn Wittstock enteilte kurz darauf auf 5:10. Zwei Treffer in Unterzahl von Holtmann und ein sicherer Gießel vom Punkt ließen Hansa den Vorsprung ausbauen. Kyritz konnte durch Silbernagel noch verkürzen und so ging es mit 8:12 in die Halbzeit.
In der Pause wurde die ambitionierte Deckungsarbeit gelobt. Vorne sollte die Abwehr der Kyritzer erst in Bewegung gebracht werden, um dann mit Entschlossenheit in die Lücke zu stoßen. Durch den Gewinn der ersten Halbzeit hatte Hansa das erste Teilziel erfüllt, welches vom Coach vor der Partie ausgelobt worden war. Nun sollten auch die zweiten 30 Minuten positive Gestaltung finden.
Die Hausherren nutzten gleich den ersten Angriff, um die Aufholjagd zu starten. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In Unterzahl zog Routinier Stachowski den 7-Meter, der per Tunnel von Gießel eingenetzt wurde. Das Spiel war nun geprägt von technischen Fehlern und Unkonzentriertheiten auf beiden Seiten. Die Hansa-Kogge nahm noch einmal Fahrt auf und erspielte sich u.a. durch eine sehenswerte Aktion von Hennigs auf Gießel oder anders ausgedrückt „From coast to coast“ einen beruhigenden sechs Tore Vorsprung. Doch Kyritz steckte nicht auf und spielte sich in der Schlussphase noch mal in einen Rausch. Nun wurden auch beide Fanlager etwas wacher. Mit 18:20 nach einem erfolgreich abgeschlossenen Konter waren die Gastgeber wieder auf Tuchfühlung. Der Wittstocker Trainer trübte durch eine Auszeit die Morgenluft, die die Hausherren nun witterten.
Ein genialer Pass von Löhlein auf Gießel und der Schlusspunkt von Holtmann begruben alle Hoffnungen der Kyritzer. Das 18:22 zu Gunsten der Dossestädter unterstreicht einmal mehr die gute Arbeit der Abwehrreihen, da beide Mannschaften vorher im Schnitt mit jeweils 30 Toren im Angriff brillierten.
Nach dem Spiel zeigten sich die Kyritzer etwas enttäuscht, wobei sich der Kreisläufer zu einer Meinungsäußerung gegenüber den Schiedsrichtern hinreißen ließ und diese gleich mehrmals wiederholte.
Viel Kampf und Krampf prägte die Partie und war sicherlich nicht im Sinne von Nick Knattertons: „Kombiniere,…!“

PS. Im Grunde genommen finde ich das Wort „Blindpese“ nicht wirklich schlimm und es sollte nicht bösartig wie Depp oder Trottel gesehen werden. Vielmehr sollte man die Verwendung des ortsüblichen Dialekts anerkennen und den Begriff eher als liebevolle Umschreibung für Dummchen oder Tollpatsch verstanden wissen. Des Weiteren müsste sich die Bestrafung bei den Disqualifikationen wiederfinden, was auf dem Spielberichtsbogen nicht der Fall ist.
Ich assoziiere den Begriff „Blindpese“ auch mit einer Blindschleiche. Hierbei ist der erste Trugschluss, dass es sich um eine Schlange handelt. Die Blindschleiche ist aber eine Echsenart innerhalb der Familie der Schleichen. Ein anderer verbreiteter Irrtum ist, dass die Blindschleiche gemäß ihrer Artbezeichnung blind sei. (Danke, Wiki)
Somit ist die Beleidigung (Blindpese) im Großen und Ganzen widerlegt. Einerseits ist der Schiedsrichter keine „falsche Schlange“ (unaufrichtige, hinterlistige Frau), da es sich bei einer Schleiche nicht um eine Schlange handelt, sowie beim betroffenen Schiedsrichter nicht um eine Frau und andererseits haben Blindschleichen bewegliche Augenlider und können damit ganz gut umgehen. (also nicht blind!)
Das mit dem leicht abbrechbaren Schwanz bei Blindschleichen würde bei meinem Plädoyer zu weit gehen. – Kombiniere: “Nick Knatterton, der Held meiner Kindheit!“

2 Replies to “Männer: Streiflicht zum Spitzenspiel in Kyritz (18:22 gewonnen)”

  1. Kurze Regelkunde: (grobe) Unsportlichkeiten nach Spielende finden Erwähnung lediglich im Bericht, nicht aber als Disqualifikation im herkömmlichen Sinne. Orthografie lasse ich mal aussen vor… 😉

    P.S. … wo er doch so darum gebettelt hat…

  2. Ähm nach Spielende muss doch nen Sonderbericht geschrieben werden an die Spielleitende Stelle oder? Dürfte doch wohl §16 11c sein?

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